166megaherzen

I really do have love to give / I just don't know where to put it (Quiz Kid Donnie Smith)

von böcken und gärtnern

Freunde, der Kollege Streeck zeigt am Ende eines lesenswerten Interviews mit der Wochenzeitung DIE ZEIT zur Konstruktion des Dauerunfalls demokratischer Kapitalismus die immer wieder erwähnenswerte Personalgeschichte unserer aktuellen griechisch-italienischen Bankster-Rettungsavantgarde auf:

Man weiß nicht, ob man weinen oder lachen soll.
Die europäischen Regierungen machen einstimmig einen Mario Draghi zum Chef der EZB, der vor nicht allzu langer Zeit noch Europa-Chef ausgerechnet von Goldman Sachs war – also derselben Firma, die unter anderem die griechische Regierung bei der kreativen Bearbeitung ihrer volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung beraten und ihr damit zur Aufnahme in die Europäische Währungsunion verholfen hat. Chef der griechischen Zentralbank war damals Loukas Papadimos, den die Europäische Union jetzt als griechischen Premierminister eingesetzt und mit der Sicherstellung der Rückzahlung der anschließend von Griechenland zu niedrigen Zinsen aufgenommenen Schulden beauftragt hat. Mario Monti, Italiens neuer Regierungschef, hat als europäischer Wettbewerbskommissar das deutsche öffentliche Bankenwesen zerschlagen (das dann versucht hat, sich durch Kauf amerikanischer Schrottpapiere zu sanieren). Nach seiner Zeit bei der Kommission hat Monti als Berater unter anderem von, Sie ahnen es schon, Goldman Sachs sein Geld verdient. Das sogenannte “europäische Projekt” als Einlagensicherungsfonds bzw. Inkasso-Agentur – die Einsetzung der Böcke als Gärtner.

menschen bei maschmeyer

Freunde, User zeitenhieb kommentiert auf zeit.de die neuerlichen Entwicklungen im Fall Wulff sehr treffend folgendermaßen:

Besser die Wahrheit – Menschen bei Maschmeyer

Wulffs Anwälte dementieren.
Wulff wusste nicht, dass er das nicht wusste.

Denn eigentlich war es eine entfernte Verwandte der Frau eines Freundes des Schwagers, die nicht wusste, dass der Kredit für die Anzeigenkampagne des Buches – das in Warheit nicht Wulff, sondern sein Pferd geschrieben hat (das Pferd war nur umsonst geliehen, aber nie gekauft, von wem auch immer) und mit dessen Einnahmen das Haus finanziert wurde, von dem Wulff nicht wusste, dass er darin lebt – dass also dieser Kredit nichts, aber auch gar nichts mit kostengünstigen Urlaubsaufenthalten in Unterkünften von Geschäftsleuten, die sonst nichts mit Wulff zu tun hatten und sich nicht mehr daran erinnen können, warum sie ihn eigentlich eingeladen hatten und wer er überhaupt ist, zu tun hat.

Hätte Wulff selbst gewusst, dass er nicht wusste, dass ein Freund, der ihn eigentlich gar nicht kannte, für das Buch seines geliehenen Pferdes (dessen Namen er vergessen hat) eine für ihn kostenfreie nie von ihm wahrgenommene Anzeigenkampagne in ihm unbekannten Medien wie sogenannten ‘Zeitungen’ gesponsort hattte, hätte er keinen Grund gehabt zu dementieren, dass es gar nichts zu dementieren gibt.
Abgesehen davon, kam dieses Dementi nicht von ihm, sondern von irgendwelchen Anwälten, die er nicht näher kannte.

Er, Christian Wulff, hat im Grunde weder mit dieser Sache, noch mit irgendeiner anderen, noch mit sich selbst, irgendetwas zu tun.

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Darüber hinaus recht erhellend ist dieses leicht angestaubte Interview des DLF von 1999 mit dem CDU-Fraktionschef Wulff im niedersächsischen Landtag zu den Verfehlungen eines Ministerpräsidenten Glogowski:

Heinlein: Was glauben Sie denn ist das Motiv für einen Ministerpräsidenten, sich seine Hochzeitsfeier von einer Brauerei sponsern zu lassen? Ist das die Lust an der gesparten Mark oder einfach politische Instinktlosigkeit?

Wulff: Ich glaube, es ist die völlig fehlende Distanz zu Sachen, zu Personen, zu Dingen, die man in der Politik braucht, also eine Grundsensibilität, dass man Dienstliches und Privates relativ strikt trennt, dass man fließende Übergänge mit äußerster Vorsicht behandelt. Jeder Polizeibeamte, jeder Beamte eines Staatshochbauamtes, einer Vergabestelle hat natürlich gar kein Problem, Freunde aus der Wirtschaft in seinem Feld zu bekommen und beispielsweise auch Zuwendungen im Zusammenhang mit Festen, Feiern und privaten Dingen. Es darf nur eben nicht sein. Es muss jeder Eindruck von Korrumpierbarkeit schon im Ansatz verhindert werden. Es darf gar nicht erst zur Korruption kommen, sondern es muss der Anschein von Korrumpierbarkeit, von Abhängigkeiten, von Sponsoring von Politik und Politikern vermieden werden.

schneewehen

Freunde, dieser Winter wird besser als alle vorangegangenen. Warum? Kate Bush veröffentlicht ein neues Studioalbum. Das erste seit 2005. Es geht um Schnee und es ist natürlich unfassbar zauberhaft. Überhaupt: Sir Elton ist mit von der Partie.

/nikond3s /nasa: macroscopic bliss

Earth | Time Lapse View from Space, Fly Over | NASA, ISS from Michael König on Vimeo.

magentane telekomik

Freunde, ich beginne Hotline-Telefonate zu genießen. Die Verunsicherung auf beiden Seiten. Das Nachspüren der Angst des grandios unterbezahlten Kundenservice-CallCenter-Sklaven vor einem sich noch in der Überlegung befindlichen Affektausbruch des Kunden, der ein Problem hat oder keins. Es ist auch deshalb eine interessante Interaktion, weil sie so abwechslungsreich ist. Denn es gehört zur Natur der Hotline-Kultur, dass man nie mit derselben Person spricht. Es sind immer neue ängstlich-freundliche Menschen auf der anderen Seite der Leitung, die nicht wissen, was bisher geschah. So werden die Geschichten, die man zu erzählen hat – bevor oder nachdem man seine Kundennummer mitgeteilt hat, die dem CallCenter-Sklaven die ganze Historie des bis dato über meine Telefonwelt gekommenen Unheils auf den Bildschirm schaltet – länger und länger. Das macht das zielgenaue Kommunizieren nicht einfacher: Habe ich alles erwähnt – hat der andere Mensch alles verstanden? Zuviel Metapher, zuviel Prosa? Ist Ironie gut oder verunsichere ich den Serviceentertainer damit nur weiter, provoziere Abschottung und Widerwillen?

Ich bin dazu übergegangen mir einen Gesprächsleitfaden anzufertigen, der sich anhand verschiedener verstrichener Termine und Versäumnisse strukturiert:

Anfang August
Telekomik gesagt, dass ich umziehe und der ganze Kladderadatsch mit soll: Quatschen und Surfen. Das ganze Paket, bidde. Mitnehmen, abschalten, anschalten. Ach, und ja: Nötig wird das erst am 30.09., weil dann in der neuen Unterkunft das alte Quatschen und Surfen abgestellt wird. Ja, bitte nehmen sie dies freundlich in Auftrag. Ich beauftrage sie.
Anfang September
Telekomik stellt sich tot. Kunde ist verunsichert. Habe ich zu undeutlich gesprochen? Ist es ein komplizierter Sachverhalt, wenn die Vormieterin die Immer-noch-Mieterin ist, weil man mit ihr zusammenzieht?
10. September
Die Angst überwiegt, Kunde greift zum Hörer: Hörensemal, da war doch was, warum habe ich nicht, was ist da los? Der Servicetyp, der ein anderer ist (im August war es eine Frau, jetzt ist es ein Mann), sagt, dort stehe nichts. Er könne zwar sehen, dass am 03.08. jemand “im System” gewesen sei (meint: auf meiner geheimen T-Com-Kunden-Seite), aber in Auftrag gegeben worden sei “nichts”. Nicht schlimm, könne man ja jetzt machen. Also erneut bestellt: Ich ziehe um, Quatschen und Surfen, am 30.09. fällt das Fallbeil, bis dahin müssen sie schaffen, was nicht zu schaffen ist.
12. September
Auf meiner T-Kundencenter-Internetseite kann ich einen Auftragsstatus sehen. Hurra, nein: Heureka! Allerdings – die Erschütterung folgt: dort stehen viele verschiedene Termine, aber nicht der 30.09. oder 01.10. Ich warte ab. Ich bekomme Post, dass man sich freut, dass ich die Telekomik beim Umzug nicht vergessen habe (haha, 37 Jahre Mindestvertragslaufzeit, spart euch die Floskeln, Jungs und Mädels)
23. September
Ich bekomme wieder Post. Eine neue Rufnummer. Überall steht “Call Comfort”, nirgends “Surf Comfort”. Haben die mein Surfen vergessen? Ein neuer Schreck erfährt mich umgehend umseitig: Der Telekomik-Techniker besuche mich gerne in meinen Räumlichkeiten – am 19.10. zwischen 8 und 28 Uhr. Ich sitze weinend vor dem Recycling-Papier und wähle erneut die 0800-T-Happiness-Nummer. Kein Durchkommen. Warten, beruhigen, schlafen.
27. September
0800-T-Happiness again. Ich komme durch, werde emotional, sage, dass ich… eine Sauerei… und überhaupt: Was ist mit dem 30.09.? Naja, sagt der Service-Mann (ein anderer), das wird wohl nichts. Die Leitung sei frühestens am 06.10. frei. Und ein Techniker vor dem 19.10.? “Der zeigt mir hier alles rot.” Rot ist das Stichwort: Aber ohne Internet? Was macht man denn da? Der Mann bietet mir etwas an, aus “Kulanz”. Einen Surfstick. Kommt sofort, wird gemacht. Bitte beachten: Im ersten Monat unbedingt kündigen, sonst 24 Monate mobil verarmen.
29. September
Der Internet-im-Gehen-Surfdongel kommt, SIM-Karte auch, aktiviert, eingelegt, die Rettung. Wer braucht schon einen Festnetzanschluss? Wir machen alles via Mobiltelefon! Mir wird ganz warm um’s Herz. Die Gewissheit: Jetzt haben die den ganzen Surfstick-Monat Oktober Zeit, um mir ein Internet zu bauen. Allerdings, es ist nicht alles Gold: 3GB Datenvolumen müssen für den Monat reichen. FlashBlock und NoScript werden installiert, YouTube auf Wiedersehn gesagt.
Erste Oktoberwoche
Eine Frau ruft mich an, ohne dass ich darum gebeten hätte. Sie ist von der Telefonfirma, mit der ich nun seit 2 Monaten in regelmäßigem Kontakt stehe. Sie wolle noch mal hören, wie es so sei. Wir unterhalten uns, sie ist eine fröhliche Person. Wir mögen uns. Im Laufe des Gesprächs dann eine Überraschung: Also, wenn sie mit der Frau B. zusammenziehen und die Vormieterin war und ist und die Leitung ab dem 06.10. frei ist, weil eine Firma namens 1&1 dann ein großes rundes Sedimentgestein vor dem dortigen Telefonkasten weggerollt hat, dann muss doch gar kein Techniker in die Räumlichkeiten! Ich so: Uff! Sie so: Ja, hier haben nicht alle Ahnung. Auch klärt sie mich auf über den Mangel an “Surf” in meiner Auftragspost. Das “Surf” werde erst beauftragt, wenn das “Quatschen” tatsächlich funktioniert. So sei das nun mal, Datenbankmigrationsprozesse oder ähnliches. Und nein, wenn der Kollege gesagt habe, dass “Surf” solle 2-3 Tage funktionieren, nachdem das “Quatschen” funktioniere, dann sei das nicht richtig. Könne auch mal so 10 Tage dauern, der “Aufschaltvorgang”. Aber sie telefoniere jetzt mal mit Abteilung XY und melde sich dann direkt. Ob ich noch erreichbar sei? Ja, bin ich. Gut. Und tatsächlich: Das Telefon schalte man jetzt schon am 14.10. und niemand müsse in die Wohnung.
14. Oktober
Ich telefoniere, während die Internetbox vor lauter verzweifelter Synchronisierungsversuche natürlich weiter fröhlich blinkt. Ich denke mir aber: Geschichte wird gemacht, es geht voran.
18. Oktober
Ich nehme das nächste Projekt in Angriff: Der Surfstick muss schließlich wieder gekündigt werden. Mein Problem: Die Hotline ist eine andere. Man muss bei der Mobilabteilung anrufen. Und da ist gerade iPhone4S-Armageddon. SIM-Kartenprobleme, Lieferengpässe, wer durch kommt, kann zaubern. Millionen gadgetfixierte Teenies, den Tränen nahe, weil die Telekomiker keinen definitiven Liefertermin nennen können. Aber, Surfstick sei dank, es gibt andere Möglichkeiten: Ich facebooke die Jungs und Mädels von “Telekomik hilft” an. Wenige Stunden später ist die Nachricht da: Yo, D., schreib’ mir ‘ne Mail, wir kümmern uns. Ich schreibe wegen der Surfstickkündigung und frage nach dem Surfen aka DSL.
20. Oktober
Antwort via Mail. Kündigung geht klar, “Surfen” könne man mir nicht sagen.
Direkt greife ich zum Hörer, wähle 0800-T-Happiness und erzähle mal wieder meine Geschichte. Die Frau (eine weitere andere) sagt, die Sache liege bei einer anderen Frau auf “Wiedervorlage”. Sie sagt, es dauere immer 7 Tage, bis das “Surfen” das “Quatschen” einhole. Ich sage: Super, am 14. konnte ich quatschen, dann müsste ich morgen ja surfen können. Sie sagt, im System sei noch der 19. hinterlegt. Es könne zwar sein, dass ich bereits am 14. wieder hätte telefonieren können, aber das sei für die Prozesse nicht relevant. Ich sage okay und verspreche, mich am 26.10. wieder zu melden, wenn das Surfen bis dahin nicht synchron läuft.
heute (21. Oktober)
Auf meiner T-Kundencenter-Internetseite steht ein neuer Auftrag mit Status. Er heißt “Surf Comfort (5)” und ich habe mich lange nach ihm gesehnt. Das Datum weckt allerdings wieder Ängste. Dort steht nicht 26.10., sondern 28.10. 3 Tage, bevor der Surfdödel gekillt wird, wenn er denn pünktlich gekillt wird.

Ich habe mir deshalb vorgenommen, Mitte nächster Woche noch einmal alle Hotlines bei den magentanen Telekomikern durchzunudeln. Auch einfach nur, um zu fragen, wie’s so geht.
Für den nächsten Umzug habe ich außerdem gelernt: 6 Monate im Voraus in Auftrag geben und wöchentlich nach dem Status fragen. So sollte es klappen. Darüber hinaus habe ich keine Gründe, mich zu beschweren.
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Nachtrag 25. Oktober
In meinem Mobilfunk-Kundencenter (das nicht das Festnetz/DSL-Kundencenter ist) steht, dass mein Surfdödel-Vertrag bis 2013 läuft. Hat die liebe Dame von “telekom_hilft” vergessen, das Richtige in die Wege zu leiten? Einmonatiges Sonderkündigungsrecht my ass?
Ich rufe die Hotline an. Da sagt man mir, ich müsse schriftlich kündigen. Es gehe aber auch via Mail. Aus Angst schreibe ich nicht nur eine Mail, sondern beauftrage einen Bekannten, der über etwas verfügt, was gemeinhin als FAX bekannt ist, die Sache noch einmal schriftlich nach Bonn zu schicken. Ich erwäge darüber hinaus noch den Versand eines Einschreibens und flankierend den Abschluss einer Rechtsschutzversicherung. Man weiß ja nie, was passiert, wenn der Kunde bedingungslos geliebt wird.
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Nachtrag 27. Oktober
Christian von “telekom_hilft” sagt mir auf Facebook, ich könne “ganz beruhigt sein”:

Hi D., sobald dein Anschluss geschaltet ist und du uns bestätigst, dass alles funktioniert, werden wir deinen Surfstick Tarif kündigen.

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Nachtrag 28. Oktober
Freunde, es wird immer kafkaesker: Heute ist Schalttermin, ich sitze vor dem Modem, das sich Fritz nennt, und bete, dass es aufhört zu blinken. Ich versuche, nur durch meinen Blick und streng fokussierte Mindpower den gelben Blinker davon zu überzeugen doch bitte anzuhalten. Ich sitze da länger, stehe zwischendurch auf, mache Kaffee, gehe in der Wohnung auf und ab. Es nützt nichts. Erst einmal frühstücken, duschen, Alltagsdinge erledigen. Heute ist mein freier Tag und doch fühle ich mich unfrei. Alles wegen eines Blinkens, das ich auch sehe, wenn ich meine Augen schließe.
Derweil singt Bradford Cox traurige Balladen über zwischenmenschliche Entfremdung und ich merke, wie sehr ich seine Musik doch liebe.
Schließlich bin ich mutig und surfe (mit dem Surfdödel) das T-Kundencenter an, klicke Auftragsstatus und warte. Als sich die Seite nach 10min schließlich aktualisiert, brechen sich die Affekte Bahn: ein manischer Anfall unkontrollierter Kicherei. Da steht jetzt tatsächlich 04.11.. Hat meine Meditation vor Fritz das Gegenteil von dem bewirkt, was eigentlich intendiert war? Habe ich ihn verschreckt? War da ein Techniker am anderen Ende des Fritz, der es mit der Angst bekam? Hat sich die Datenbank verschluckt? Eine kleine Stolperei im Prozessmanagement?
Jedenfalls: Die mächtige magentane Telekomik hat mich erneut hinterrücks betrogen, verschoben und vertröstet. Die Geschichte, die ich in geselliger bierlauniger Runde jetzt regelmäßig erzähle, wird also immer besser, ja: facettenreicher und spannender.
Ich überlege, wieder nach Mama und Papa zu ziehen. Die haben DSL16000. Funktioniert wunderbar. Sie hatten bisher nie Probleme mit dem Telefonanbieter. Es ist genau der, der mich jetzt wieder vor meterhohe Herausforderungsmauern stellt. Aber ich kämpfe. Bis zum Schluss. Bis der Blinker am Fritz aufhört, mich um den Schlaf zu bringen.
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Nachtrag 31. Oktober
Gestern, es war ein Sonntag, bekomme ich eine Email von kundenservice@t-mobile.de. Die Damen und Herren bedauern und lassen kündigen. Ein Datum nennen sie nicht, aber ich habe ein ungutes Gefühl. Pünktlich um Mitternacht wird dann die SIMsalabim-Karte im Surfdödel getötet und wir sind wieder offline bei T-Online. Damit hat es die SocialMedia-SchnelleEingreiftruppe der Telekomiker nicht geschafft, den laufenden Kündigungsprozess bis zum nächsten Schalttermin zu verzögern. Ich schmeiße das Stück Plastik in den Müll und fahre 150km in die Heimat, zu den Eltern, damit ich arbeiten kann. Derweil kann die SocialMedia-SchnelleEingreiftruppe auch nur resigniert einräumen: Ja, die Abstimmung habe nicht gestimmt. Nein, eine Reaktivierung der SIMsalabim-Karte sei nicht möglich. Wenn jetzt am Freitag nicht funktioniert, was seit drei Wochen nicht funktioniert, werde ich eine 1-Mann-Demo vor dem T-Punkt um die Ecke veranstalten und alle Menschen davor warnen, mit der Telekomik in Kontakt zu treten: Die machen nur Witze.

savages

Chon has always know that there are two worlds:

The savage
The less savage.

The savage is the world of pure raw power, survival of the fittest, drug cartels and death squads, dictators and strongmen, terrorist attacks, gang wars, tribal hatreds, mass murder, mass rape.

The less savage is the world of pure civilized power, government and armies, multinationals and banks, oil companies, shock-and-awe, death-from-the-sky, genocide, mass economic rape.

And Chon knows––
They’re the same world.

Beste Sommerliteratur 2011 war: Savages, by Don Winslow.
Zwei Freunde verkaufen dope in california – in großem, gut organisierten Stil. Sie geraten in’s Visier des mächtigen Baja-Kartells, das in der Heimat Mexiko hohen Blutzoll zahlen muss, um sein Territorium zu verteidigen und nach neuen, weniger personalintensiven Verdienstmöglichkeiten jenseits der Grenze sucht. Die Baja-Brüder schnappen sich das Lovegirl von Ben&Chon, den beiden Dopedealern, um ein bessere Position bei den kurz darauf anberaumten Geschäftsverhandlungen zu haben. So nimmt das Unheil seinen Lauf, denn die Jungs lassen sich natürlich von eine paar dahergelaufenen Tacofressern nicht diktieren, was sie zu tun oder zu lassen haben. Schließlich wissen sie um die Güte ihres Produkts.

Ben & Chon’s Sex Dope.
Responsible for more orgasms on the West Coast than Doctor Johnson.
No wonder the Mexicans want it.
Everbody wants it.
You give this to the Pope he’d be frisbeeing condoms off the balcony to grateful, adoring thousands. Telling them to go for it.
God is good, get laid. God is love, get good.

Savages ist atemberaubend temporeich, herrlich zynisch, sehr blutig und bietet einen ungetrübten Blick auf den Niedergang amerikanischer Konsumkultur. Winslows opus magnum, Power of the Dog, sei dem geneigten Leser außerdem ans Herz gelegt. Darin legt der Autor nach mehrjähriger Recherche in einem über Jahrzehnte sich aussteckenden Handlungsbogen den ganze Irrsinn des war on drugs offen.

der niedergang der freidemokraten am beispiel des philipp rösler

Freunde. Wer wissen will, warum die FDP auch nach ihrer personellen Erneuerung hin zu mehr mitfühlender Liberalismus-Adoleszenz am Boden der realdemokratischen Tatsachen liegt und vorerst wohl nicht wieder aufstehen wird, der sollte sich die Wiederholung der zweiten Ausgabe von “Günther Jauch” ansehen. Denn die neueste mit Millionen Gebührengeldern installierte Brabbelshow im ersten deutschen Zwangsfernsehen lieferte eindrückliches Anschauungsmaterial – in Person des Vorsitzenden Philipp Rösler. Dem aufmerksamen Hobby-Masochisten, der sich bereits zahlreiche andere Brabbelshows mit dem von Praxiserfahrung weitgehend befreiten Bundeswehrarzt angesehen hatte, sollte bereits aufgefallen sein, dass der liebe Philipp mit einer recht einfach zu durchschauenden Strategie jede moderierte Erkenntnisvernichtungsparade absolviert: Der Philipp schaut, wer den meisten Applaus bekommt (in der Regel nie er selbst), merkt sich die Argumente des Applauskönigs und trägt sie dann leicht abgewandelt als die eigenen vor. Argumenteimitation – das ist die Strategie von Philipp R. Kombiniert mit einer robotergleichen Gesichtsmechanik, die nur selten leicht verrutscht. Da kann der gastgebende Showmaster fragen, was er will: Es perlt alles ab, die geborgten Argumente werden nur immer wieder und wieder und wieder wiederholt – ohne mit der Wimper zu zucken.

Heute abend lagen die Dinge dennoch etwas anders. Angela Merkel hatte den christdemokratischen Norbert Röttgen ins Rennen geschickt, Vorzeigeintellektueller der Union (der einzige). Es war hochpeinlich mitanzusehen, wie der liebe Norbert dem kleinen Philipp die Butter vom Brot nahm. Da erklärte der Umweltminister (!) in umfassenden, ja fast geistreichen Bildern seine Vorstellung einer europäischen Wirtschafts- und Finanzpolitik, argumentierte nahezu auf Augenhöhe mit VWL-Professorin Beatrice Weder Di Mauro (die Redaktion wusste: 7 Sprachen, auch der Mann: Topökonom) und schnitt dem kleinen Philipp ein ums andere Mal das Wort ab: “Jaja.”, sagte Norbert einmal, nachdem Philipp etwas gesagt hatte, an das sich jetzt keiner mehr erinnert. Und jeder weiß, was das heißt.

Dass Röttgen dort saß, war sicher kein Zufall. Vermutlich hatte Angela M. höchstselbst ihren besten Mann via SMS in den Gasometer abgeordnet: “Nobbi, du musst da hin, sonst haut der Rösler noch mehr teures Euro-Porzellan kaputt und wir stehen als Regierung noch beschissener da als sowieso schon, weil sich ja jeder fragt: Wieso regiert ihr mit diesen gelben Hampelmännern?”

Noch hochnotpeinlicher wurde es, als Inhalte gestreift wurden. Frau Weder Di Mauro versuchte zu erklären, dass es wohl einen Unterschied zwischen einer geordneten Insolvenz (Röslers “Welt”-Modell) und den von ihr favorisierten Modellen geordneter Umschuldung zur Rettung Griechenlands gäbe. Überhaupt: Was genau mit der geordneten Insolvenz gemeint sei, sei ihr auch nicht so richtig klar. Als Di Mauro nun ausführlich erklärte, wie eine Umschuldung ihrer Meinung nach am sinnvollsten durchzuführen wäre, nickte der kleine Philipp fröhlich und wiederholt. Er ließ in der Sendung dann auch tunlichst jede Möglichkeit aus, sein Insolvenzmodell zu konkretisieren. Ja: Er hatte eigentlich nichts zu sagen. Null. Alles, was an Beiträgen im Namen der Regierung verbalisiert wurde: Der Röttgen sprach es aus und ließ den Liberalismusvorsitzenden und Wirtschaftsminister neben sich aussehen wie einen Schuljungen beim Nachsitzen. Zwischenzeitlich zuckte es in Philipps Robotermiene und man bekam es doch tatsächlich mit der Angst zu tun: Jetzt fängt er gleich an zu weinen. Weil er nichts versteht von alledem. Und überhaupt auch gar keine Ideen hat. Er ist nur der, der in der ersten Reihe stehen und alles ertragen muss.

rational decision making

A decision theorist from Columbia University was struggling whether to accept an offer from a rival university or to stay. His colleague took him aside and said, “Just maximize your expected utility–you always write about doing this.” Exasperated, the decision theorist responded, “Come on, this is serious.”

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katholisches bier seit 1852

Vor meinem Fenster unter dem Kreuz auf dem Sakralbauvorplatz sitzen die, die dauernd neue Flaschen holen.

Die Trinkhalle zwei Stockwerke tiefer hat am Eingang eine Lichtschranke, die jede Unterbrechung mit einem klangvollen Di-Dü kommentiert. So kann ich bei offenem Fenster die Trinkfrequenz der verlorenen Seelen hören: Discountpilsflasche um Discountpilsflasche wird die Stimmung ausgefranster. Wird der Restbetrag kleiner. Um diesen unumkehrbaren Vernichtungsmechanismus wissend trägt die Mehrzahl der lohnarbeitslosen Zeittotschläger Plastiktüten bei sich. Damit, wenn der Kollege vor Kummer, Vergiftung und Verzweiflung von der abgesessenen Kirchplatzbank kippt, schnell teures Glas eingesammelt und in Discountpils umgewandelt werden kann. Dort unten auf dem Platz der Trinker wird sich in bemerkenswerter Atmosphäre dem Gerstensaft unterworfen, deren eindrücklichstes Zeichen ihre Ambivalenz ist: Die durch Ort und repetitive Trinkhandlung in Beziehung Stehenden praktizieren in dem einen Moment liebevolles gemeinsames Aushalten des Exklusivstatus’. Mit primitivem Witz und lautstarken Zoten, harmlosen Scherzen auf Kosten des Anderen. Im nächsten Moment jedoch zerbricht der sich dann als fragil offenbarende Frieden in der zufällig zusammengefundenen Gruppe: Aus unbekannten Gründen brechen sich große Emotionen Bahn, Hass und Wut werden dem Gegenüber vor die Füße gespuckt. Die Schicksalsgemeinschaft löst sich unvermittelt in Schicksalsindividuen auf, die allein den Weg weg von der Gruppe gehen. Oft werden unbeteiligte Passanten in diese konflikthaften Auseinandersetzungen miteinbezogen, die nur ihren Einkauf sicher nach Hause bringen und nicht den sauren Atem der zahnlosen in dieser Gesellschaft Gescheiterten im Gesicht spüren wollen. Wer lässt sich schon auf ein mühevolles Zuhören ein, das im Ergebnis semantisch regelmäßig mangelversorgt ist, weil die betroffenen Schwankenden ihre undeutliche Rede meist mit larmoyanten Opfergesängen beginnen und mit kruden Vorwürfen an den Zuhörer und seine Mitverantwortung für die ausweglose Gesamtsituation beenden?

So schnell wie die verlorenen Seelen vor meinem Fenster auftauchen, so schnell verschwinden sie auch wieder. Wenn es regnet, die Trinkhalle schließt, der kalte Winter kommt. Ich frage mich, wohin sie dann gehen. Ob sie nur die Bank wechseln, neues Glas finden müssen oder irgendwo ein Essen bekommen. Viele Gesichter sehe ich nie wieder.

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