der niedergang der freidemokraten am beispiel des philipp rösler
by 166mhz
Freunde. Wer wissen will, warum die FDP auch nach ihrer personellen Erneuerung hin zu mehr mitfühlender Liberalismus-Adoleszenz am Boden der realdemokratischen Tatsachen liegt und vorerst wohl nicht wieder aufstehen wird, der sollte sich die Wiederholung der zweiten Ausgabe von “Günther Jauch” ansehen. Denn die neueste mit Millionen Gebührengeldern installierte Brabbelshow im ersten deutschen Zwangsfernsehen lieferte eindrückliches Anschauungsmaterial – in Person des Vorsitzenden Philipp Rösler. Dem aufmerksamen Hobby-Masochisten, der sich bereits zahlreiche andere Brabbelshows mit dem von Praxiserfahrung weitgehend befreiten Bundeswehrarzt angesehen hatte, sollte bereits aufgefallen sein, dass der liebe Philipp mit einer recht einfach zu durchschauenden Strategie jede moderierte Erkenntnisvernichtungsparade absolviert: Der Philipp schaut, wer den meisten Applaus bekommt (in der Regel nie er selbst), merkt sich die Argumente des Applauskönigs und trägt sie dann leicht abgewandelt als die eigenen vor. Argumenteimitation – das ist die Strategie von Philipp R. Kombiniert mit einer robotergleichen Gesichtsmechanik, die nur selten leicht verrutscht. Da kann der gastgebende Showmaster fragen, was er will: Es perlt alles ab, die geborgten Argumente werden nur immer wieder und wieder und wieder wiederholt – ohne mit der Wimper zu zucken.
Heute abend lagen die Dinge dennoch etwas anders. Angela Merkel hatte den christdemokratischen Norbert Röttgen ins Rennen geschickt, Vorzeigeintellektueller der Union (der einzige). Es war hochpeinlich mitanzusehen, wie der liebe Norbert dem kleinen Philipp die Butter vom Brot nahm. Da erklärte der Umweltminister (!) in umfassenden, ja fast geistreichen Bildern seine Vorstellung einer europäischen Wirtschafts- und Finanzpolitik, argumentierte nahezu auf Augenhöhe mit VWL-Professorin Beatrice Weder Di Mauro (die Redaktion wusste: 7 Sprachen, auch der Mann: Topökonom) und schnitt dem kleinen Philipp ein ums andere Mal das Wort ab: “Jaja.”, sagte Norbert einmal, nachdem Philipp etwas gesagt hatte, an das sich jetzt keiner mehr erinnert. Und jeder weiß, was das heißt.
Dass Röttgen dort saß, war sicher kein Zufall. Vermutlich hatte Angela M. höchstselbst ihren besten Mann via SMS in den Gasometer abgeordnet: “Nobbi, du musst da hin, sonst haut der Rösler noch mehr teures Euro-Porzellan kaputt und wir stehen als Regierung noch beschissener da als sowieso schon, weil sich ja jeder fragt: Wieso regiert ihr mit diesen gelben Hampelmännern?”
Noch hochnotpeinlicher wurde es, als Inhalte gestreift wurden. Frau Weder Di Mauro versuchte zu erklären, dass es wohl einen Unterschied zwischen einer geordneten Insolvenz (Röslers “Welt”-Modell) und den von ihr favorisierten Modellen geordneter Umschuldung zur Rettung Griechenlands gäbe. Überhaupt: Was genau mit der geordneten Insolvenz gemeint sei, sei ihr auch nicht so richtig klar. Als Di Mauro nun ausführlich erklärte, wie eine Umschuldung ihrer Meinung nach am sinnvollsten durchzuführen wäre, nickte der kleine Philipp fröhlich und wiederholt. Er ließ in der Sendung dann auch tunlichst jede Möglichkeit aus, sein Insolvenzmodell zu konkretisieren. Ja: Er hatte eigentlich nichts zu sagen. Null. Alles, was an Beiträgen im Namen der Regierung verbalisiert wurde: Der Röttgen sprach es aus und ließ den Liberalismusvorsitzenden und Wirtschaftsminister neben sich aussehen wie einen Schuljungen beim Nachsitzen. Zwischenzeitlich zuckte es in Philipps Robotermiene und man bekam es doch tatsächlich mit der Angst zu tun: Jetzt fängt er gleich an zu weinen. Weil er nichts versteht von alledem. Und überhaupt auch gar keine Ideen hat. Er ist nur der, der in der ersten Reihe stehen und alles ertragen muss.
Ich hab das ja nicht gesehen, habe aber den Lindner mehrfach in den Abendnachrichten rumgeistern sehen und kann nur zustimmen: Die wirken schon Mitleiderregend, irgendwie…