166megaherzen

I really do have love to give / I just don't know where to put it (Quiz Kid Donnie Smith)

katholisches bier seit 1852

Vor meinem Fenster unter dem Kreuz auf dem Sakralbauvorplatz sitzen die, die dauernd neue Flaschen holen.

Die Trinkhalle zwei Stockwerke tiefer hat am Eingang eine Lichtschranke, die jede Unterbrechung mit einem klangvollen Di-Dü kommentiert. So kann ich bei offenem Fenster die Trinkfrequenz der verlorenen Seelen hören: Discountpilsflasche um Discountpilsflasche wird die Stimmung ausgefranster. Wird der Restbetrag kleiner. Um diesen unumkehrbaren Vernichtungsmechanismus wissend trägt die Mehrzahl der lohnarbeitslosen Zeittotschläger Plastiktüten bei sich. Damit, wenn der Kollege vor Kummer, Vergiftung und Verzweiflung von der abgesessenen Kirchplatzbank kippt, schnell teures Glas eingesammelt und in Discountpils umgewandelt werden kann. Dort unten auf dem Platz der Trinker wird sich in bemerkenswerter Atmosphäre dem Gerstensaft unterworfen, deren eindrücklichstes Zeichen ihre Ambivalenz ist: Die durch Ort und repetitive Trinkhandlung in Beziehung Stehenden praktizieren in dem einen Moment liebevolles gemeinsames Aushalten des Exklusivstatus’. Mit primitivem Witz und lautstarken Zoten, harmlosen Scherzen auf Kosten des Anderen. Im nächsten Moment jedoch zerbricht der sich dann als fragil offenbarende Frieden in der zufällig zusammengefundenen Gruppe: Aus unbekannten Gründen brechen sich große Emotionen Bahn, Hass und Wut werden dem Gegenüber vor die Füße gespuckt. Die Schicksalsgemeinschaft löst sich unvermittelt in Schicksalsindividuen auf, die allein den Weg weg von der Gruppe gehen. Oft werden unbeteiligte Passanten in diese konflikthaften Auseinandersetzungen miteinbezogen, die nur ihren Einkauf sicher nach Hause bringen und nicht den sauren Atem der zahnlosen in dieser Gesellschaft Gescheiterten im Gesicht spüren wollen. Wer lässt sich schon auf ein mühevolles Zuhören ein, das im Ergebnis semantisch regelmäßig mangelversorgt ist, weil die betroffenen Schwankenden ihre undeutliche Rede meist mit larmoyanten Opfergesängen beginnen und mit kruden Vorwürfen an den Zuhörer und seine Mitverantwortung für die ausweglose Gesamtsituation beenden?

So schnell wie die verlorenen Seelen vor meinem Fenster auftauchen, so schnell verschwinden sie auch wieder. Wenn es regnet, die Trinkhalle schließt, der kalte Winter kommt. Ich frage mich, wohin sie dann gehen. Ob sie nur die Bank wechseln, neues Glas finden müssen oder irgendwo ein Essen bekommen. Viele Gesichter sehe ich nie wieder.

theweeknd

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geld & angst

Ja, Geld schafft Angst, um sie danach durch Geld wieder zu neutralisieren. Aber indem jeder glaubt, all seine Ängste durch Geld einschläfern zu können, bildet er eine typisch neurotische Struktur, in welcher die Instrumente zur Bekämpfung der Angst diese Angst nur noch weiter potenzieren. So leben wir in einer Angstgesellschaft, in der das Geld uns gegen die Angst zu immunisieren scheint, doch dadurch genau das Quantum jener dumpfen Ängste, die durch Geld nicht immunisiert werden können, ins Maßlose steigert. Diese Existenzängste entstehen aus mangelnden Beziehungen. Zwischen Geldmenschen gibt es zwar noch ein Band, es herrscht eine relative soziale Ordnung, und unsere Erwartungen werden meistens nicht enttäuscht, doch dieses Band selbst ist enttäuschend, denn es rechnet uns den Preis unserer Einsamkeit vor. Das Paradoxe am Geld ist also, dass es diese Atmosphäre schafft, aber auch die Mittel gibt, nicht an dieser Angst zu verenden.

Aldo Haesler im Gespräch mit Peer Teuwsen

it’s love! dagmar, christian & der mitfühlende liberalismus

Freunde, es begann 2009. Dagmar kam zu Christian in den Landtag nach Düsseldorf. Sie sollte für die ZEIT einen Artikel über die FDP schreiben und verliebte sich wohl sofort. In diese Partei, in ihre kühnen neuen Ideen, aber vor allem: in Möllemanns Bambi, das bereits mit blutjungen 21 Jahren vor der Landesvertretung auf einer New Econonomy-Wolke mit dem Porsche vorgefahren war. Herz statt Hartz titelte Fräulein Rosenfeld. In ihrem Liebesbrief heißt es:

Doch die FDP ist mehr als nur ein Hort des Immergleichen, sie kann auch erfrischend, nachdenklich und manchmal sogar ein wenig überraschend sein. Je nachdem, wo man ihr begegnet. In dem Büro des Düsseldorfer Landtags wirkt sie auf den ersten Blick minimalistisch. Es gibt kein Papier, keine Zettel, nur ein aufgeklappter Laptop steht auf dem Schreibtisch. “Bei mir wird alles weggepe-de-eft”, sagt Christian Lindner […]. “Weggepe-de-eft” bedeutet, dass Lindner seine Unterlagen elektronisch verwaltet. Und doch hat er vor Kurzem eine Menge Papier produziert. Zusammen mit seinem Parteikollegen Philipp Rösler, Niedersachsens Wirtschaftsminister, hat er ein 366 Seiten dickes Buch herausgegeben. Unter dem Titel Freiheit: gefühlt – gedacht – gelebt versucht sich da die junge FDP-Generation an einer sozialverträglichen Interpretation von Liberalismus.

Und weiter:

Lindner will mit neuen Begriffen politische Themen besetzen, die über das Wirtschaftsliberale hinausgehen: “Steuern runter, Arbeit rauf, so ein Satz taugt höchstens noch als Applausstelle bei einer Parteitagsrede.”

Der Christian war natürlich hin und weg, entzückt, verzaubert. Von dieser süßen Propaganda. Und auch von der Dagmar. Es wurden SMS geschrieben, Dates verhandelt, Liebe gemacht. Zurück in Hamburg erzählte die Dagmar all ihren Kollegen dann auch von ihrer neuen Passion: Kuschelliberalismus, der Christian, die Papierlosigkeit. Fortan erfüllte bedingungslose FDP-Liebe die ZEIT-Redaktion und regelmäßig wurden Seiten freigeräumt, damit der mittlerweile in Berlin angekommene “Philosoph” (Bernd Ulrich) Christian und seine Freunde die frohe Botschaft des heiligen mitfühlenden Marktes verkünden konnten.

Jetzt haben Christian und Dagmar geheiratet. Es heißt, sie seien seit 2009 ein Paar.

dax < 6000

Also, eine Aktie ist ein Wertpapier und wird an die Firma verkauft.
Und wenn die Firma beschließt, eine Aktie zu kaufen, dann wird die in Euro umgewandelt.
Und wenn der Wert niedrig ist, dann ist das ein niedriger Wert.
Und wenn der Wert höher ist, ist das ein höherer Wert.

Die Aktien rutschen auch in den Keller.
Was machen die da?
Die werden vergammeln die Aktien,
die haben im Keller nix zu suchen.

Die müssen raus,
die müssen raus,
die müssen raus.

Eine Aktie, wie gesagt, ist ein Wertpapier, was an die Firma verkauft wird und davon gibt es ein Kuchenstück. Und es gibt mehrere Kuchen. Und dieser Kuchen wird in ein Stück geschnitten, das muss man sich mal… also das stell’ ich mir jetzt gerade so vor.

Das, was eigentlich der Börsenvertrag wert ist, ist nicht nur der Börsenvertrag allein, sondern das ist der Wert. Und dieser Wert ist für uns ganz wichtig. Und allen, denen ich das sage, vertraue ich. Dieses Thema ist wichtig für mich. Und ich brauch’ dieses Thema, denn dadurch habe ich viel gelernt. Ich bin nicht so schnell einer, die aufgibt. Und ich weiß, das ich nicht aufgebe, aber ich schaff’ das.

Warum gibt es Börsen?
Börsen sind zum aktivieren.
Börsen sind wichtig.
Börsen sind wichtig.
Börsen sind zum aktivieren.
Börsen sind wichtig.
Börsen sind wichtig.
Börsen sind wichtig.

Ohne Wertpapier gibt es keine Aktien.
Und ohne Aktien gibt es kein Geld.
Und ohne Geld gibt’s keine Arbeit.
Und ohne Arbeit gibt’s keine, keine, keine was?
Kein Essen.
Und ohne Essen können wir nicht leben. Also, bitte.
Weil umsonst arbeiten wir nicht.
Wir sind nicht zum rumsitzen, wir sind zum arbeiten hier.
Oder glaubst du, dass die Texte von alleine angeflogen sind?
Also ich habe noch nie fliegende Texte gesehen.
Genauso ist es mit Aktien.

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Station 17
Goldstein Variationen

matthew azari hawthorne

Peoples, 3mal ausgesuchte Bewegtbild- und Toneffekte für eure gierigen Augen & Ohren. Die Protagonisten dieser kleine Webvideo-Vernissage sind Matthew Dear, Azari & III und der übermächtige Mayer Hawthorne. Yeah:

zuckerberg hat auf mich geschossen

Freunde, Facebook hat mein Konto gesperrt. Ich habe kaum noch Spucke. Ich habe alle meine Freunde verloren. Ich wurde nicht gewarnt. Zuckerberg hat auf mich geschossen und ich stand mit dem Rücken zu ihm. Ich frage mich: Warum, Mark, warum? Diese sinnlose Gewalt? War das wirklich nötig? Was habe ich getan? Nichts! Unerhört!

Wenn jemand wissen will, wie Nahtod-Erfahrung sich anfühlt, ruft mich an oder schreibt mir eine Mail.

PS.: Okay, okay. AGB-Violation, ich gebe es ja zu.
1. Du musst deinen echten Vor- und Nachnamen angeben – habe ich nicht.
2. Die Verkörperung anderer Personen oder Dinge ist untersagt – mein Profilfoto zeigte General “Buck” Turgidson.

the devil’s haircut

Wieso zeigt mir die Medienmaschine fortwährend die Visage dieses auf hochgestellte Polohemdkragen augenscheinlich sehr viel wert legenden “Teufels” (1)? Der Mann sieht nicht gut aus. Er ist sogar ein bißchen fett, hat zuviel Speck am Hals. Ich will Mr. Superdevil jedenfalls nicht mehr sehen. Ich will auch nicht erklärt bekommen, was offensichtlich niemand erklären kann. Oder doch: der Henryk M. Broder is very much to blame. Er wurde richtig zitiert, was in diesen Zeiten besondere Erwähnung finden sollte.

Überall ist von der quälenden Frage nach dem “Warum” die Rede. Auch ich frage mich, warum. Allerdings ist dieses Fragen nur bis zu einem gewissen Punkt eine anstengende Angelegenheit. Weil man mittlerweile so erfahren ist im Leben, Lesen und zur Kenntnis nehmen, dass man sich, nur um nicht verrückt zu werden, eine Einsicht bereit gelegt hat, die immer dann zum Zuge kommt, wenn unerklärlich Erscheinendes erklärt werden soll: Menschen fressen und werden gefressen, mal ist der Hunger größer, mal kleiner, mal zum Kotzen pervertiert. Jedenfalls: Die Welt, in der wir leben, bringt das mit sich. An dieser Stelle ist es gesund, mit dem Nachdenken aufzuhören und sinnvoller, den alltäglichen Geschäften nachzugehen. Alles andere wäre auch irgendwie wenig produktiv.

Der Versuch, jetzt Experten heranzuziehen, Nachforschungen anzustellen, um verstehen zu können, wirkt lächerlich angesichts der Tat. Ja, klar: Die Umstände. Nur: Wir alle leben in Umständen. Der Plural versteht sich von selbst. Nur für Herrn Uhl reicht ein Singular: Das eine Internet ist die Hölle, aus der der Teufel Anders B. entstieg.

Überhaupt das Präventions-Gelulle: Hätte man ihm die Glock weggenommen, wäre nicht nur der Österreicher beleidigt gewesen, weil eine Marketinggelegenheit für das Qualitätsprodukt aus Deutsch-Wagram zunichte gemacht worden wäre. Nein, es hätte auch nichts genutzt: Der Mann hätte bloß mehr Dünger gekauft und weiter an seinem Manifest geguttenbergt – vermutlich hinter den blickdichten Vorhängen etwaiger Proxy-Dienste, durch die nicht einmal VDS-Uhl hätte schauen können.

Entlarvend auch die Reaktionen der ideologischen Parteien. Die Linksfraktion jubelt, dass es kein Muslim war, ist aber gleichzeitig enttäuscht, dass allenthalben von einem Einzeltäter geredet und nicht gleich Europas Neue Rechte in toto zur globalen Terrorquelle erklärt wird. Was dem Muslim widerfahren ist, sollte den Wilders dieses vollintegrierten Freiwirtschaftsraums Europa nicht vorenthalten bleiben. Dauerverdacht und öffentliche Stigmatisierung für alle! Und überhaupt: NPD verbieten jetzt. Die Rechtsfraktion weiß nicht so recht, wie sie aus der Sache Kapital schlagen soll. Kleinster gemeinsamer Nenner: mehr Sheriffs für den Cyberspace wären schon gut, weil die Message im Subtext von obskuren Internetforenbeiträgen mitunter recht diffus daherkommt. Nur: Anhand einer IP-Adresse kann man zwar Adressdaten ermitteln (oder auch nicht, s.o.), aber noch lange nicht Gehirne aufsägen und reinschauen. Ganz rechts ist man im übrigen froh zu verkünden: “Islamkritik kein Tatmotiv” (2). Soviel also zum Thema Gehirne aufsägen.

Das Verstehenwollen ist kein illegitimes Motiv. Es kann nur in immer neuen, scheiternden Versuchen, die öffentlich als die Ohren und Augen behindernder Schmutz in die Umwelt geworfen werden, den Blick auf unsere Hilflosigkeit und Schwäche verstellen, die jedoch bedeutender Teil der Schönheit dieses Lebens sind.

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  1. Offizielle Geschäftsbezeichnung der BILD für Anders B. und natürlich Valium für die Leser: Was man nicht versteht, beunruhigt weniger, wenn es nicht-irdischen Ursprungs ist.
  2. http://www.pi-news.net/2011/07/psychiater-islamkritik-ist-kein-tatmotiv/

efsf esm wtf

Freunde, ganz frei heraus: Ich hatte Schulden. Der Grund, ich sage das voller Demut: Ich habe über meine Verhältnisse gelebt. Und das ging so: Herzdame und ich wollten Urlaub machen und ich hatte nicht genug Geld. Wenn die Frau alles zahlt, reduziert sich das Männer-Ego regelmäßig auf 0. Also bin ich zur Bank, die meine Schwester ist, und sagte: Schwester, ich will Cocktails trinken auf der Insel und der Ollen Goldgeschenke kaufen, mach’ mich liquide! Wir einigten uns auf eine Ich-Anleihe mit variabler Laufzeit zu moderaten Zinsen, eine mündliche Schuldverschreibung. Do ut des: Versprechen gegen Geld. Mutti, die Ratingagentur, warnte die Bank: Mädchen, die Bonität des Jungen liegt im Nebel, maximal noch Bb2 diese Ich-Anleihen! Die Bank dachte: Whateva, der Kapitalismus ist mit den Dummen und Dreisten – irgendwer wird mir die Knolle-Bonds wohl abkaufen, bis dahin kassiere ich Zinsen. Und Gott sei dank war Vati da – der Rettungsschirm. Als sich während des Schuldner-Urlaubs abzeichnete, dass ein selective default nicht mehr auszuschließen war, besicherte er meine Ich-Anleihen mit hauseigenem Girokontogeld, das von Mutti mit AAA bewertet war (sie hing da selbst mit drin). Am Ende waren’s tatsächlich ein paar Cocktails zuviel: Die Bank rief mich an und sagte, jetzt sei aber langsam mal maturity. Stammelnd hing ich am Hörer und zeigte auf den Mann mit dem Rettungsschirm. So war Frau Geldhaus fein raus, obwohl sie sich verspekuliert hatte. Ich schlürfte weiter Cocktails und der Rettungsschirm fragte sich, warum er überhaupt Kinder in die Welt gesetzt hatte: Er war seitdem in einer nicht enden wollenden Austeritäts-Agonie gefangen.

flux / baves chords

Freunde, zwei fassungslose Tracks von der neuen Mount Kimbie EP. Kauft euch Boxen (1), dreht die auf und setzt euch davor. Wer kluge Ohren hat, bekommt dann Kribbelei im Gedärm.

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  1. Schön wohnzimmer- und dubsteptauglich sind zum Beispiel diese